Saisonrückblick 2003

 

 

Nachdem mehrere Ehen mit anderen Teams in die Brüche gingen, stellte sich am Ende der Saison 2002 folgende Situation für das junge Blue Marlin Racing Team dar:  Es war stolzer Besitzer von 4 Autos.  4 Autos, die in ganz Deutschland verteilt in mehr oder weniger modernen Garagen ihr tristes Dasein fristeten. Dies war die Folge falschen Managments, Fehlen von nötigem Know How und unvorhergesehenen Schicksalsschlägen. Letztendlich aber verursacht durch einen Mangel an geeigneten Unterstellmöglichkeiten.

Und plötzlich war sie da, die geeignete Unterstellmöglichkeit !

Eine Halle eines in Konkurs gegangenen Telekommunikationsausrüsters wurde von dem Team in einer Blitzaktion in Beschlag genommen. Denn man wußte, um das Team zu retten, mußte man handeln, und zwar jetzt und sofort!

Also begab man sich daran, die verstreuten Autos einzusammeln. Die 2 Porsche und der Alfa Romeo konnten noch relativ einfach in das neue Teamdomizil überführt werden.  Beim 4. Auto jedoch, der Corvette, kam es bei der Rückführung zu unvorhergesehenen Problemen. Denn Franky´s Garage, ein Team aus Tirol, wollte die Scheidung nicht akzeptieren. Außerdem hatte sich der Besitzer des Teams, Franky, so sehr an den schönen Chevy gewöhnt, das er sich nicht so ohne weiteres von ihm trennen konnte. Glücklicher Weise hat sich der harte Kern des Blue Marlin Racing Teams - Altrocker Werner, Chefmechaniker Uwe und Pilot Nico also - so ziemlich  sämtliche Mafiafilme, die es so gibt, angeschaut, was letztendlich dazu führte, das Franky  davon überzeugt werden konnte, das der Chevy besser in Unterbach aufgehoben ist, als in über 1000 m Höhe. Da Franky aus diesem Grund zur Zeit keinen fahrbaren Untersatz besitzt, der, wie wir ja wissen, eh nur a Menge Marie aufifrisst, hoffen wir für Ihn, das es nun sein Budget ermöglicht, endlich mal wieder zum Friseur zu gehen.

 

Nachdem nun alle Autos dort waren, wo sie hingehörten, konnte man sich überlegen, wie man die nächste Saison am besten bestreiten sollte.

Nach mehren Diskussionen zwischen den Teammitgliedern kam man zu dem Entschluß, in der Saison 2003 bevorzugt auf die 2 Porsche zu setzen.

 

Der legendere Tuffi Porsche  im Fahrerlager des Nürburgrings. Aus aktuellem Anlaß wurde die 935 ' er Schneeschaufel montiert. Der Tuffi Porsche wurde vom Team Anfang 2002 von der lebenden Nordschleifenlegende Edgar Dören erworben. 2002 konnte das junge Blue Marlin Racing Team schon recht beachtliche Erfolge auf der Nürburgring Nordschleife mit diesem Auto erzielen , wie zum Beispiel einen 10. Gesamtrang am 29.6.2002 beim VLN-Langenstreckenpokal  in der Besetzung Elmar Grimm / Nico.

 

Da die notwendigen Arbeiten am "Tuffi"- Porsche überschaulicher erschienen, stürzte sich das Team, unter der Regie des Chefmechanikers Uwe, mit schon lange nicht mehr da gewesenem Enthusiasmus und Elan auf die Arbeit, um die letzten 2 Jahre, die das Team fast in den Tode führten, vergessen zu lassen. Der Wagen wurde komplett zerlegt, überholt, in Teamfarben lackiert, zusammengebaut und am 22. Januar 2003 termingerecht und erfolgreich in Zolder getestet.

Am 15.3.2003 war es schließlich so weit: Das Team war so frech und schickte den Tuffi-Porsche mit seinen 350 Pferdestärken in den 3 1/2 Stunden dauernden 1.Lauf des VLN-Langstreckenpokals auf die Nürburgring-Nordschleife, obwohl bis auf den Fahrer kein anderes Teammitglied Langstreckenpokalerfahrung hatte.

Direkt beim freien Training am Freitag wurde das Team mit einer Seite des Rennsports konfrontiert, die man wohl versucht, so gut es geht auszublenden, die aber immer Allgegenwärtig ist: Und zwar die immense Gefahr, in die die Piloten geraten können.  An jenem Tage jedenfalls fuhr Nico mit ca. 250 km/h auf den Tiergarten (ein sehr schnelles "S" ausgangs der 3 Km langen Geraden "Döttinger Höhe" ) zu, als er feststellte, daß ein BMW-Fahrer sein Auto am Streckenrand des Tiergarten parkte und zu allem Überfluß sich lässig auf seinen Wagen stützend das Geschehen um sich herum bewunderte. Nico ging sofort vom Gas. Im selben Augenblick brach der Porsche jedoch mit dem Heck aus - er ist auf eine vom BMW verursachte Ölspur geraten - und flog über den Curb auf den Rasen Richtung Leitplanke !  Durch kräftiges Gegenlenken oder wie auch immer gelang es Nico den Wagen vom Rasen zurück auf die Strecke zu bugsieren, ohne mit der Leitplanke zu kollidieren. Den Wagen hatte er allerdings noch immer nicht unter Kontrolle. Nein ! Ganz im Gegenteil ! Der gute Tuffi bewegte sich nun, wie magisch angezogen, auf den am Streckenrand geparkten BMW zu und zielte ganz genau auf dessen Fahrer, der jetzt  nicht mehr lässig an ihm gelehnt dastand, sondern vor lauter Entsetzen nicht mehr fähig schien, durch einen beherzten Sprung, wohin auch immer, zu versuchen, sein Leben zu retten. Glücklicherweise hatte der liebe Gott an jenem Tage ein Einsehen und lenkte den Porsche zurück auf die Strecke und gab Nico die Kontrolle über den Wagen zurück.

Nico fuhr nun sofort in die Boxengasse, dankte Gott und beendete das Freitagtraining vorzeitig.

Am Samstag dem 15.3. 2003 12°° Uhr war es endlich soweit !  Das erste Rennen des neuformierten Blue Marlin Racing Team's konnte nach einem nicht gerade optimal verlaufendem Qualifying von der 42. Stelle aus gestartet werden.

Nach einem sehr harten aber fairen Zweikampf zwischen dem Letten Vitas Vienskaunas im Dören-Porsche und unserem Blue Marlin Porsche konnte das Team dieses Rennen vor 29.000 Zuschauern mit einem 17. Platz von 136 Startern im Gesamtklassement und einem 3. Platz bei 10 Startern in der Wertungsgruppe H abschließen.

 

Zweikampf zwischen Vitas im blauen Dören Porsche und Nico im gelb-orangen Blue Marlin   Porsche im Streckenbereich Brünnchen.

 

Nachdem dieses Rennen so glücklich beendet wurde, verfolgte das Blue Marlin RT den Plan, den 2. Porsche, den ca. 600 PS starken Turbo Porsche am 20. April im Rahmen des ersten STT-Laufes der Saison 2003 an den Start zu bringen. Zu diesem Zweck war ein Testlauf in Spa-Francochamps am 4. April vorgesehen, an dem man unbedingt teilnehmen musste, da man noch einigen Herren beweisen wollte, das das Blue Marlin Team einiges bewegen kann. Außerdem war am Turbo Porsche nur eine Kleinigkeit in Stand zu setzen: Und zwar der Kupplungsdruck. Dies sollte durch entlüften der Kupplung in 5 Minuten zu erledigen sein........dachte man.

Also traf sich das Team - Chefmechaniker Uwe, Fahrer Nico und Testpilot Wolfgang - eines Abends , ca. 1 Woche vor Testbeginn, zum Entlüften und um ein Schwätzchen zu halten.  Eine Woche später, ca. 5 Stunden vor der planmäßigen Abfahrt nach Spa unternahm das Team einen letzten verzweifelten Versuch, dieses Problem in den Griff zu bekommen.  In der Zwischenzeit spielten sich in der Blue Marlin Halle wahre Dramen ab. Tage und Nächte verbrachte das Team mit Kupplungsgebern, Kupplungsnehmern, High Performance Entlüftungsgeräten, Dashanschlüssen, vielen gutgemeinten Ratschlägen hochprofessioneller Hydrauliker und der Gewissheit, kurz davor zusein, wenn schon nicht komplett in Bremsflüssigkeit zu ersaufen oder wegen des demoralisierenden Plops - das Geräusch, wenn das Kupplungspedal mal wieder kraftlos auf den Porscheboden plumpst - in die Klinik eingewiesen zu werden,  einem Besuch beim Hautarzt, wegen der ätzenden Wirkung der Bremsflüssigkeit, nicht zu entkommen. Schließlich und endlich gelang es dann doch noch, des Problems Herr zu werden. Nachdem die super moderne Dashleitung gegen die original Porscheleitung ausgetauscht wurde war alles gut.....und los ging's  nach Spa.

 

Testpilot Wolfgang in der F1-Box von Spa-Francochamps mit Drehmomentschlüssel neben dem Turbo Porsche.

In Spa endlich angekommen, wurde getestet bis schließlich der Arzt kam. Während Nico feststellte, das neue Zündkerzen (ein Satz kosten ca. 700,- Euro) ein lohnendes Investment darstellen könnten, schilderte  Testpilot Wolfgang seine Eindrücke seiner 1. Testfahrt wie folgt: "Der Wagen zieht nach links, manchmal auch nach rechts; hebt gelegentlich ab; rumpelt schrecklich; die Bremse ist sehr hart und blockiert. Alles in allem: Der Wagen fährt phantastisch; er ist sauschnell; liegt super und ist total einfach zu fahren."  "Ja richtig, die Bremse ist hart", gaben Nico und der zweite Testpilot, das Urgestein Rolf, Wolfgang recht.

 

Wie recht Wolfgang haben sollte, zeigte sich nur 6 Tage später bei Testfahrten auf der Nordschleife!

 

Zeltweg im Jahre 2002. Trotz praktisch fehlender Kupplung und ohne Bremskraftverstärker pilotiert Nico den Turbo Porsche vor 50.000 Zuschauern auf Platz 7.  Hier eine sehr schöne Aufnahme, wie der Turbo Porsche die Zwaan Viper und den Eurotech Marcos LM 600 verfolgt.

 

Am 11.4. 2003 testete das Blue Marlin Racing Team den Turbo Porsche auf der Nordschleife. In Runde 3 blockierten die Bremsen vor der Bergwerkkurve und Nico konnte einen Einschlag in die Leitplanke nicht mehr verhindern. Zum Glück sah der Schaden auf den ersten Blick schlimmer aus als er schließlich war, aber der Terminplan mußte nun über den Haufen geworfen werden. Der erste STT-Lauf am 20. April wurde nun nicht mit dem Turbo Porsche, sondern mit dem Tuffi bestritten. Das Eifelrennen am 3.Mai mußte schweren Herzens aus budgettechnischen Gründen abgesagt werden.

 

Der Tuffi Porsche im Magazin Motorsport XXL.

In der Besetzung Chefmechaniker Uwe, Testpilot Wolfgang, Teamhund Rotti Ivan und Fahrer Nico ging es am Wochenende des 20. April zum Nürburgring auf die Sprintvariante des Grand Prix - Kurses. Zur Schilderung der Geschehnisse ein Bericht von Uwe Winter:

 

GTP Weekend Nürburgring 18-20.04.03

Leistung ohne Ende: Dr. Klaus  Nesbach  im Stealth B6.

Missratener Einstand für den amtierenden Meister Michael Eckert. 

Johannes Graversen (DK) kämpfte zunächst mit  Lichtmaschine.

Jagdsaison an Ostern eröffnet

Die Winterpause der PS-Boliden und Flügelmonster ist vorbei - die Zeitenjagd der bis zu 700 PS starken Rennflundern hat begonnen: Erstmals in ihrer 18-jährigen Geschichte startete die STT mit einem Testrennen in die Saison.

Für die angereisten Teams fand das "Ostereiersuchen" auf der verkürzten GP-Strecke des Nürburgrings statt. Punkte wurden bei diesem Einladungsrennen keine vergeben, dennoch sollte dies eine Standortbestimmung für die neue Saison sein. Das ein oder andere (Oster-)Ei legte manchem Team die Technik. 

Bereits im Training zeigte STT-Debütant Dr. Klaus Nesbach mit seinem Stealth B6 Sport, dass die schnellsten Rundenzeiten an diesem GTP -Wochenende, inkl. der V8-Star, mit STT -Fahrzeugen erzielt werden sollte. Otto Altenbach und Günther Chrzanowski sortierten sich dahinter ein. Der Schweizer Manfred Forster (Chevrolet Camaro) konnte sich auf Platz vier vor dem ‚feuerroten Spielmobil', dem rund 280 PS starken Fiat X1/9 Turbo des Dänen Johannes Graversen behaupten. Willi Herold (Audi Coupe S2) und Rolf Krepschik (Porsche 935 Turbo) mussten ihre über 500 PS starken Boliden nach technischen Problemen bereits vor dem Zeittraining abstellen. Für Graversen endete der erste Lauf bereits in der Startaufstellung, nachdem die Lichtmaschine seines ‚Italo-Renners' streikte. 

Beim Start zum ersten Lauf übernahm erwartungsgemäß Nesbach die Führung, dahinter brach aber in der Mercedes-Arena auf Grund einer Ölspur etwas Chaos aus: Otto Altenbach drehte sich - bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und schlüpfriger Fahrbahn, während auch Gaststarter Norbert Pauls, der kurzfristig für Chrzanowski an den Start gegangen war neben der Strecke landete. Im Rahmen des allgemeinen Durcheinanders rutschten auch Forster und Titelverteidiger Michael Eckert in's Grüne, konnten aber das Rennen, wie auch Otto Altenbach, mit etwas Verspätung aufnehmen. "Ringfuchs" Michael Irmgartz nutzte bei seinem STT-Debüt die Gunst der Stunde und konnte mit seinem Porsche 964 RS mit schnellen und konstanten Rundenzeiten den zweiten Gesamtrang erzielen. Den sicheren Gesamtsieg vor Augen musste Nesbach seinen Stealth B6 nach Runde acht mit Getriebeschaden abstellen. Somit war der Weg zum Laufsieg für Porsche Routinier Otto Altenbach frei, der eine furiose Aufholjagd startete und alle Gegner auf die Plätze verwies. Hinter Irmgartz landete "Alpen-Rambo" Manfred Forster, im gewohnt spektakulärem Fahrstil mit seinen Ex-Trans-AM-Camaro vor Markenkollegen Marius Schweidler (Delago - Corvette) auf der dritten Position. Vorjahresmeister Michael Eckert (BMW 320) feierte seinen Hochzeitstag mit einem Klassensieg vor Markenkollege Peter Preuß (M3). Debütant Nico platzierte sich nach einem Dreher auf Platz drei in der GT-Klasse bis 4000 ccm hinter Rolf Krepschik, der vor dem Rennen auf sein ‚T-Car' (Porsche 964 RS) umgestiegen war.

Zum zweiten Lauf stieg die Quecksilbersäule ein wenig höher als am Vortag, so das es diesmal auch keine Probleme mit kalten Reifen in der Startphase geben sollte. Während Nesbach auf einen Start verzichten musste, ging Graversen vom letzten Startplatz aus ins Rennen. Dieser entbrannte ein echtes Feuerwerk, indem er sich Gegner um Gegner vornahm und bereits als Gesamtzweiter hinter Altenbach geführt wurde. Zur Rennhalbzeit machte das ‚feuerrote Spielmobil' seinem Name alle Ehre, als es nach einem kapitalen Motorschaden kurzzeitig in Flammen stand. So erbte Irmgartz erneut den zweiten Gesamtrang vor Forster, der seine obligatorische Pirouette hinlegte und später mit Zündaussetzer zu kämpfen hatte. Marius Schweidler konnte seine Platzierung des ersten Tages ebenfalls wiederholen, während dahinter ein neues Gesicht auftauchte: Nico hatte mit seinem Blue Marlin Porsche mit mehreren Konkurrenten Lackaustausch, landete aber auf dem fünften Rang vor Peter Preuß. Letzterer konnte erst in der letzten Runde den Klassensieg bei den Tourenwagen bis 2000ccm sicherstellen, nachdem Eckert, nach zwei Kollisionen mit Nico seinen BMW in den Reifenstapeln versenkte. Für den Titelverteidiger und einige andere Fahrer heißt das Resümee: Generalprobe missglückt, aber zur offiziellen STT-Premiere in Oschersleben sollte es dann besser laufen.   

"Alpen-Rambo" Manfred Forster im Chevrolet Camaro. 

Nochmals Ami-Power Marius Schweidler in der Chevrolet Corvette. 

Sorgte für einige Aufregung: Nico  mit dem Blue Marlin Porsche.

Schlug gleich zweimal zu: Der Porsche-Routinier Otto Altenbach. 

Gelungenes Debüt für Michael Irmgartz im Porsche.

Der "dicke" Porsche streikte, so musste Promoter Rolf Krepschik mit dem "kleinen" Porsche ausrücken.

Ergebnisse 1. Lauf: 1.Otto Altenbach, Porsche 993 GT2 (1. GT über 4.000ccm); 2. Michael Irmgartz, Porsche 964 RS (1. GT bis 4.000ccm);    3. Manfred Forster, Chevrolet Camaro; 4. Marius Schweidler, Delago - Corvette; 5. Michael Eckert, BMW 320i (1. Tourenwagen bis 2.000ccm); 6. Rolf Krepschik, Porsche 911 RS; 7. Nico, Blue Marlin Porsche 964; 8. Peter Preuß, BMW M3; 9. Dr. Klaus Nesbach, Stealth B6 Sport (1. Sonderklasse ohne Hubraumbegrenzung u. Sondergewicht); 10. Norbert Pauls, Porsche GT2).

Ergebnisse 2. Lauf: 1. Altenbach (1. GT über 4.000ccm); 2. Irmgartz  (1. GT bis 4.000ccm); 3. Forster; 4. Schweidler,  5. Nico;  6. Preuß (1. Tourenwagen bis 2.000ccm); 7. Krepschik, 8. Eckert, 9. Pauls; 10. Graversen, Fiat X1/9 (1. Sonderklasse ohne Hubraumbegrenzung)

 

Nachdem also das STT Debüt recht erfolgreich bestritten wurde, ging es 3 Wochen später nach Oschersleben. Auf einen Bericht dieses Rennens wird ganz bewußt verzichtet. Es werden auch keine weiteren Fragen zu diesem Rennen beantwortet. Dieses Rennen gab es überhaupt nicht.

 

Von dieser fernöstlichen Expedition zurückgekehrt, begab sich das Team nun daran, den Turbo Porsche wieder in Gang zu setzen um den 3. STT - Lauf Anfang Juli auf der Nürburgring Sprintstrecke zu bestreiten. Obwohl die Zeit drängte und ein zwischenzeitlich in der Blue Marlin Halle gestrandeter Ferrari auch noch umsorgt werden wollte, konnte am 26. Juni in Zolder ein erfolgreicher Test durchgeführt werden. Der Porsche hatte nun auch endlich einen Bremskraftverstärker. Das ABS funktionierte aber immer noch nicht.

Das Rennen am Ring zeigte dann auf, daß die vordere Bremse zu unterdemensioniert ist, um ganz vorne mitzumischen. Trotzdem hat  das Rennen dem Team sichtlich Spaß gemacht, obwohl ein Platz im vorderen Mittelfeld das wahre Potential des Turbo Porsches nicht so richtig wiederspiegelt.

 

Der Blue Marlin Turbo Porsche im Einsatz am Ring.  In der Minimalbesetzung Uwe und Nico wurde der Wagen 11. von 35 gestarteten Autos.

 

Gut gelaunt nach Unterbach zurückgekehrt, wurde nun folgender Plan erstellt: Zunächst sollte mit dem Tuffi am 27. Juli die VLN - Langstrecke auf der Nordschleife bestritten werden. Danach wollte man die große vordere Bremsanlage des Tuffis in den Turbo Porsche einbauen, um wohl gerüstet Ende August zur Lieblingsstrecke von Nico, nach Zeltweg zu fahren. Ein Test im Rahmen des CHC-Pokals - einer Gleichmäßigkeitsprüfung - war  für den 12.7. mit dem, wie gesagt, legendärem Tuffi Porsche geplant. Zu diesem Zweck begab sich das Team Montags vor diesem Ereignis in die Halle, um das Auto routinemäßig auf diesen Test vorzubereiten. Zuerst wollte man den Motor warmlaufen lassen. Aber er sprang nicht an !  Kein Zündfunke vorhanden !  Der Wagen am Samstag vermietet ! Alarmstufe rot !

Am Freitagabend um 20°° Uhr, es waren noch genau 14 Stunden Zeit bis zum Start, der Wagen sprang trotz guten Zuredens immer noch nicht an und Nico hatte sich mal kurz ins Bett gelegt, um für den um 23°° Uhr geplanten letzten Versuch, den Tuffi ans Laufen zu bringen, Kraft zu tanken, als ihn ein Anruf von Peter ereilte. Peter ist der Fahrer, der mit Nico den CHC - Pokal bestreiten wollte. Um ihn nicht nervös zu machen, hat man dem guten Peter von dem Problem mit dem Auto besser nichts erzählt. Und da Peter mal wieder einen Pokal gewinnen wollte, um  seine Arztpraxis zu schmücken, versuchte er nun Nico davon zu überzeugen, das er doch noch die Ausschreibung studieren sollte, um sein  Begehren erfolgreich zu unterstützen. Wer schon einmal versucht hat, die Ausschreibung des CHC - Pokals zu verstehen, der weiß, das der erfolgreiche Abschluß eines Examens in Mathematik ein wesentlich geringeres Problem darstellt. Nico versprach also Peter alles zu unternehmen, damit der Pokal herbeigezaubert wird. Nachdem das Gespräch beendet war, zog er sich die Decke über den Kopf in der Hoffnung, einzuschlafen und nie wieder aufzuwachen.

Um 1°° Uhr, dem 12.7., machte es in der Blue Marlin Halle plötzlich Brumm Brumm. Wieso, weiß keiner so genau und scheint auch nur in den tiefen Abgründen der Tuffiseele  zu ergründen sein. Uwe jedenfalls konnte nun unbeschwert in seinen verdienten Urlaub nach Kreta fliegen - sein Flieger  ging in 5 Stunden -  und Nico konnte mit Altrocker Werner zum Ring fahren um mit Peter um den besagten Pokal zu kämpfen.

 

Peter im Einsatz auf der Nordschleife. Den verdienten Pokal verlor man im Ausschreibungsdickicht.

 

An einem herrlichen Sonnentag traf man sich also an der Nordschleife und die letzte Woche hatte Nico schon wieder vergessen. Und irgendwie hatte nun auch Nico Pokalfieber !  Schließlich macht sich ein Pokal in der Blue Marlin Halle immer gut und all zu viele davon hat man schließlich auch noch nicht. Also wurde noch einmal schnell in die Ausschreibung geguckt und los gings. Nach 15 Runden Nordschleife war man sich zwischen Peter und Nico einig: Diese Leistung mußte einfach mit einem Pokal belohnt werden !   Aber weit gefehlt .  Auf den Protest bei der Rennleitung gegen die ausgesprochene Disqualifikation bekam Nico zur Antwort: 1.) Ihr habt zu oft den Fahrer gewechselt. 2.) Ihr habt vergessen, die Bordkarte abzugeben und 3.) Ihr seit eine Runde zu viel gefahren.  Auf die Bemerkung, das es sich bei diesen Vergehen doch nur um Kleinigkeiten handelt und auf die Bitte, ob es nicht möglich wäre, das die Rennleitung  drei Augen zudrücken könnte, bekam Nico folgende Antwort: "Was! Kleinigkeiten? Mann, lesen sie gefälligst die Ausschreibung! Raus!" 

 

Blue Marlin Porsche im Nordschleifeneinsatz.

 

Eine Woche später sollte es nun wieder richtig Ernst werden. Das 4 Stundenrennen auf der Nordschleife stand an !  Was das Team noch nicht wußte, dieses Wochenende sollte das Wochenende des Pechs, der Fehler, der Mißverständnisse und der Pannen werden !

Es begann damit, das beim Freitagtraining festgestellt wurde, das der Porsche im unteren Drehzahlbereich nicht richtig lief. Erst Wochen später konnte dieser Fehler - ein gebrochener Kerzenstecker - eher zufällig entdeckt und behoben werden. Also hatte man schon einmal ein erstes Handicap.

Am Freitagabend dann, warteten Uwe und Nico im Gasthof Weber auf das neue Teammitglied Dennis, der zur Verstärkung angefordert wurde. Da dieser sich auf die Wegbeschreibung von Nico verließ, fand er erst über einen Umweg durch Belgien und Luxemburg zum Nürburgring, was dazu führte, das durch die Entfernung der bei Uwe und Nico angesetzten Spinnweben kostbare Zeit verspielt wurde.

Beim Zeittraing am Samstagmorgen regnete es. Da der Wagen im unteren Drehzahlbereich nach wie vor stotterte, war dies auch nicht gerade ein Vorteil, da im Regen der untere Drehzahlbereich eine große Rolle spielt. Also endete das Zeittraining mit einem enttäuschendem 55. Platz.

Zum Glück änderte sich nun das Wetter und es kam die Sonne heraus. Nico wurde nun wieder zuversichtlicher und freute sich auf eine spannende Aufholjagd, doch in der ersten Runde nahm das Verhängnis  seinen Lauf. In der Schnellkurve, die letzte Kurve vor dem bekannten Karussel, verbremste sich ein BMW und fuhr dem Blue Marlin Porsche in die hintere rechte Seite. Dadurch geriet der Wagen außer Kontrolle und schlug mit dem Heck in die Leitplanke ein. Obwohl der Heckflügel nicht mehr gerade stand, die hintere Stoßstange halb heruntergerissen , der Seitenschweller durchgebrochen und das rechte Radlager zerstört war, konnte Nico die Fahrt trotzdem fortsetzen. Und trotz dieser Umstände und der Tatsache, das der Porsche unter diesen Gegebenheiten ca. 20 sec pro Runde langsamer war als wie normal, lag das Blue Marlin Racing Team kurz vor dem ersten Boxenstopp in der Gruppe H3 auf Platz zwei. Da sechs Autos in dieser Klasse gestartet waren, also auf einem Pokalplatz. Aber leider schlich sich nun der Fehlerteufel ein.  In der ganzen Hektik hatte man Dennis, der die Runden abzählen sollte und die Boxensignale an Nico gab, die Zählweise falsch erklärt. Folglich wurde Nico das Signal zum Reinkommen eine Runde zu spät gegeben. Nico wiederum ließ den Tuffi am Schwedenkreuz ausrollen, da er die durch Benzinmangel verursachten Aussetzer des Motors als Motorschaden interpretierte. Er hätte nur auf den Reserveknopf drücken müssen, dann hätte er es wahrscheinlich noch in die Box geschafft. 

Fazit des Wochenendes:  Zu viele Fehler gemacht. Beim nächsten Mal besser machen !

 

Der schwer beschädigte Blue Marlin Porsche kurz vor seinem Ausscheiden beim VLN Langenstreckenpokal.

 

Nach diesem kleinen Dämpfer begab man sich nun daran den Turbo Porsche für Zeltweg vorzubereiten. Der Versuch, die große Bremse vom Tuffi an den Turbo Porsche zu montieren schlug leider fehl. Es stellte sich heraus, das die Radaufnahme vom 964 Porschemodel um 1mm vom 993'er abweicht. Da der Tuffi Porsche mit der Radaufnahme vom 993'er ausgerüstet ist, fehlte es tatsächlich an 1 mm, um die große Bremse auf den Turbo zu montieren. Da die Zeit zu knapp war, war es leider auch nicht möglich, sich auf die Schnelle einen geeigneten Adapter drehen zu lassen. Also mußte das Team in Kauf nehmen, in Zeltweg die selben Bremsprobleme zu haben, wie beim letzten STT - Lauf am Nürburgring.

 

Nichts des so trotz fuhr das Blue Marlin Racing Team in der Besetzung Chefmechaniker Uwe, Altrocker  Werner, Assistent Dennis und Pilot Nico nach Zeltweg in die Steiermark zum 3. STT - Lauf.

 

Der ca. 600 PS starke Blue Marlin Turbo Porsche im Fahrerlager von Zeltweg vor seinem spektakulärem Auftritt. Im Hintergrund die Zugmaschine des Blue Marlin Racing Team: Das Peacmobil. Ein von der U.S. Air Force ausrangierter 6,2 L Chevyvan Diesel.

 

Und diesmal sollte das Team ein feuriges Wochenende erleben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten im Training startete der Blue Marlin Turbo aus der 7. Startreihe. Nach der ersten Kurve hatte der Porsche bereits 5 Plätze gutgemacht und befand sich nun schon auf Platz 9. Leider sprang aus unerklärlichen Gründen bei der Ausfahrt aus dieser Kurve der Gang aus dem Porsche, ließ sich nicht so ohne weiteres wieder einlegen  und anstatt auf dem nun folgendem Bergaufstück wie geplant noch weitere Konkurrenten hinter sich zu lassen, mußte Nico das gesamte Feld vorbeilassen und fand sich auf dem letztem, dem 34. Platz wieder.  Nachdem der 1. Gang nun doch eingelegt werden konnte, startete Nico mit ziemlicher Wut im Bauch eine fulminante Aufholjagd. Am Ende des Bergaufstücks hatte der gute Turbo bereits wieder Platz 20 inne und stürmte immer weiter nach vorne.  Ca. 5 Runden vor Schluß, auf Platz 9 liegend und die nächsten 3 Konkurrenten schon vor sich um sie aufzufressen, schlug leider wieder der Pechteufel zu !  Ein Stehbolzen löste sich aus dem Kettenkasten, Öl trat aus und das Auto fing am Heck Feuer ! Glücklicherweise schaffte es Nico aber noch, den Porsche in die Boxengasse zu pilotieren, wo bereits mehrere Streckenposten auf ihn warteten und ihn Gott sei es gedankt rechtzeitig löschen konnten. Am Auto war wohl nicht viel kaputt gegangen, zum 2. Lauf konnte allerdings nicht mehr angetreten werden. Trotz des Ausfalls war man eigentlich recht zufrieden mit dem Wochenende und man trat die Heimreise mit der Gewissheit an, daß das Team auf dem richtigen Weg ist.

 

Der Blue Marlin Turbo am Beginn seiner Aufholjagd.

 

In Unterbach zurückgekehrt ereignete sich folgendes. Der Turbo Porsche wurde verkauft. Das tut dem ganzen Team sicherlich sehr weh. Aber letztendlich eine vernünftige Entscheidung, da ja noch einiges in der Blue Marlin Halle steht, was noch auf einen Einsatz wartet.

Nachdem sich das Team vom Schock des Verkaufs so halbwegs erholt hatte, war es mal wieder Zeit für einen Plan. Man beschloß folgendes: Der Tuffi Porsche sollte  beim nächsten STT - Lauf im luxemburgischen Colmar-Berg am 14. 9. eingesetzt werden. 2 Wochen später war dann das Saisonfinale auf dem Nürburgring geplant. Samstag wollte man das 3 1/2 Stunderennen auf der Nordschleife bestreiten, um mit den am Sonntag  anstehenden STT- Läufen auf der ungekürzten Grand Prix Strecke, die Saison für das Blue Marlin Racing Team ausklingen zu lassen.

Man hatte sich für den Tuffi also allerhand vorgenommen. Mit einem etwas gemischtem Gefühl fuhr man dann in der Besetzung Chefmechaniker Uwe, Altrocker  Werner und Fahrer Nico nach Luxemburg. Man wußte schließlich nicht was auf das Team zukommt, denn die Strecke, eine Goodyearteststrecke, die unter den Fahrern keinen allzu guten Ruf genießt, war dem Team bis dato unbekannt. Außerdem war da noch das Problem mit dem Stottern des Motors im unteren Drehzahlbereich. Zwar hatte man einen gebrochenen Kerzenstecker ausfindig machen können, um allerdings festzustellen, ob dieses wirklich der Fehler war, mußte der Wagen gefahren werden und dieses war vor dem Rennen nicht mehr möglich gewesen. In Colmar angekommen, unternahm man den ersten Test, indem man durchs Fahrerlager zur technischen Abnahme fuhr. Und siehe da, der Wagen schien zu laufen. Im freien Training am folgenden Tag bestätigte sich der Eindruck dieser kleinen Testfahrt; der Tuffi Porsche lief wieder ! Und noch etwas lies die Stimmumg aufhellen. Nico war einer der wenigen dem die Strecke lag und dem es sichtlich Spaß machte, den Porsche durch die engen Kurven zu bugsieren, obwohl auch er die Streckensicherung für absolut unzureichend beurteilte.

Der 1. Lauf wurde von Platz 15 bei 32 Startern gestartet. Also nicht schlecht für den Tuffi, der für die STT eigentlich ziemlich untermotorisiert ist. Nach einem gnadenlosem Gefecht mit dem sauschnellem Spieß Golf von Helmut Mayer, den Nico unter der Aufwendung aller erdenklichen Tricks so gerade eben hinter sich lassen konnte, wurde der 1. Lauf auf Platz 12 beendet. Eigentlich war alles gut. Aber da war noch eine Kleinigkeit: In der letzten Runde begann es, aus dem linken Auspuff heraus, blau zu qualmen !  Das bedeutete, das man die Sachen einpacken konnte. An einem Start zum 2. Lauf war nicht mehr zu denken.

 

Start des 2. Laufes in Colmar ohne Blue Marlin - Beteiligung.  Man beachte am oberen rechten Bildrand die Boxenmauer, die aus Kunststoffelementen besteht.

In Unterbach zurück begab man sich sofort auf die Fehlersuche, in der Hoffnung, das es sich nur um eine Kleinigkeit handeln würde, so das man in 2 Wochen die letzten Rennen auf dem Ring bestreiten könnte.

Aber leider wurde festgestellt, daß es sich keineswegs um eine lapidare Kleinigkeit handelt.

Nein. Der Zylinder Nr. 1 ist samt Kopf und Kolben ein Fall für die Mülltonne. Damit ist die Saison nun beendet und es wurde Zeit für diesen Saisonrückblick.

Für das nächste Jahr besteht bereits schon ein Plan. Der Tuffi Porsche wird gerade generalüberholt und soll nächstes Jahr 20 - 30 PS stärker sein. Der Schwerpunkt wird in der nächsten Saison wieder auf den Nordschleifen - Langstreckenpokal verlegt. Zu diesem Zwecke wird sich das Blue Marlin Racing Team in der VLN - Meisterschaft einschreiben, um an der VLN - Meisterschaft teilzunehmen.

Der Turbo Porsche ist noch nicht abgeholt worden und der sagenumwogene Corvette steht auch noch in der Halle. Es ist geplant, das der Turbo im Januar abgeholt und bezahlt wird. Die Corvette soll in Gang gesetzt werden und in dieser Saison mindestens 1 Rennen bestreiten.

Die sagenumwogene Corvette in der Blue Marlin Halle.

So long,  Euer Blue Marlin.